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Die brasilianische Kultur mit seinen Hochschulen und Universitäten und dem brasilianischen Schulsystem

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Die brasilianische Literatur

Antônio Gonçalves Dias

Bis ins 18. Jahrhundert dauerte die kulturelle Abhängigkeit von Portugal, später von italienischen und französischen Vorbildern an. Die kulturelle Lösung von Portugal vollzog sich um 1830 im Zeichen der Romantik, u. a. mit dem Lyriker A. Gonçalves Dias. Als Reaktion auf den romantischen Subjektivismus entstand die sozial engagierte Lyrik von A. de Castro Alves. Realistische Romane schrieb u. a. M. A. de Almeida. Um 1870 wandte sich die Lyrik dem Parnassianismus (O. Bilac) und Symbolismus (J. da Cruz e Sousa), die Prosa dem Realismus und Naturalismus (A. Azevedo) zu.

Überragend war der an Romantik wie Realismus beteiligte Lyriker, Romancier und Erzähler J. M. Machado de Assis. Regionalistische Prosa schufen H. Coelho Neto und E. da Cunha. Die bedeutendsten Theoretiker des Modernismus (1922 in São Paulo als Avantgardebewegung entstanden) waren die Brüder M. und O. de Andrade. Zu den modernistischen Lyrikern zählten M. Bandeira Filho, J. de Lima, C. Drummond de Andrade und C. Meireles. J. Cabral de Melo-Neto versuchte, dem Modernismus eine kosmopolitische Orientierung zu geben.

Höhepunkte der regionalistischen Literatur der 1930er-Jahre waren die Romane von J. Lins do Rêgo Cavalcanti, G. Ramos und v. a. J. Guimarães Rosa. Neue Wege in der Lyrik beschritten nach 1945 die Vertreter des Neomodernismus (J. Cabral de Melo-Neto) und der von der strukturalistischen Linguistik beeinflusste H. de Campos.

In den 1960er-Jahren spielten auf dem Gebiet der Prosa v. a. Clarice Lispector, J. R. Fonseca, A. Dourado, M. Scliar, J. U. Ribeiro, M. Souza sowie auf dem Gebiet der Dramatik A. Boal eine Rolle. Die gegenwärtige brasilianische Literatur ist einerseits durch den internationalen Erfolg des Esoterikers P. Coelho und andererseits durch die selbstironische, intermediale Schreibpraxis der jüngeren Generation (Patrícia Melo) geprägt, die sich mit der permanenten Gewaltsituation in den Städten auseinandersetzt.

Geschichte des Schulwesens

Eine Schule deutscher Einwanderer 1866

Das brasilianische Schulwesen war lange Zeit in den Händen des Klerus, vor allem des Jesuitenordens. Der Orden unterhielt zwei verschieden Schultypen, einen für die Oberschicht und einen für die indigene Bevölkerung. Mit der Enteignung und Ausweisung der Jesuiten 1759 brach dieses System zusammen.

Die Schulen für die Ureinwohner verschwanden, während Priester die Schulen für die Oberschicht übernahmen. Nach der Unabhängigkeit 1822 kam die geplante Einrichtung allgemeiner kostenloser Primarschulen nicht zustande. Stattdessen konzentrierte man sich auf Kaderschulen.

Erst unter dem Militärregime in den 1970er Jahren setzte sich der Gedanke durch, allen sozialen Schichten Zugang zu den Schulen zu verschaffen. Getragen wurden diese Anstrengungen nicht zuletzt von dem Wunsch, breiteren Einfluss auf die Erziehung ausüben zu können. Ein zweigliedriges Schulsystem mit einer integrierten Gesamtschule und Gymnasien wurde geschaffen.

Das Schulsystem

In Brasilien besteht Schulpflicht für Kinder zwischen sieben und vierzehn Jahren (welche jedoch so gut wie gar nicht überwacht wird). Seit einer Bildungsreform 1971 gibt es keine Differenzierungen in verschiedene Schultypen, sondern allgemein eine achtjährige Grundschule und einen dreijährigen Sekundarschulbereich.

Dieser kann allgemeinbildend (dreijährig) oder berufsbildend (drei bis vierjährig) durchlaufen werden. Da die Grundschule tatsächlich von vielen Armen nicht besucht werden kann, kann ab 14 Jahren der Primar- und ab 21 Jahren der Sekundarbereich im Rahmen der Erwachsenenbildung kostenlos nachgeholt werden.

Die Situation der Schulen

Schule in Serra Talhada

Die Situation der staatlichen Schulen ist insgesamt schlecht. In dünn besiedelten Regionen liegen die Grundschulen häufig weit auseinander, weiterführende Schulen gibt es nur in den größeren Städten. Die einzelnen Schulen sind meist schlecht ausgestattet und baulich in keinem guten Zustand. An der Armut vieler Favela- und Landbewohner, die den Kauf der Schuluniform, von Büchern und Heften und das Fahrgeld unerschwinglich macht, scheitert ein Schulbesuch häufig.

So besuchen trotz Schulpflicht 90% der in der Landwirtschaft tätigen weniger als vier Jahre die Schule, in den Favelas der Großstädte geht nur jedes achte Kind zur Schule. Auch machen regelmässige Lehrerstreiks in den öffentlichen Schulen zwecks Lohnerhöhung (oft einige Monate pro Jahr) einen Schulbesuch unmöglich. Die brasilianische Regierung finanziert ihr Schulwesen mit rd. 3,4 % seines Bruttoinlandprodukts, welches aber nur etwa des jenigen der Niederlande entspricht. Für ein 180 Mio. Volk bei weitem zu wenig.

Neben den öffentlichen Schulen gibt es zahlreiche Privatschulen, meist in katholischer Trägerschaft. Diese Schulen haben meist ein höheres Niveau, verlangen aber auch ein hohes Schulgeld (im Durchschnitt, je nach Region und Qualität zwischen 500,00 und 1000,00 R$ pro Monat - 180,00 bis 360,00 Euros, Stand März 2007).

Geschichte des Hochschulsystems

Universidade Federal do Paraná

Im kolonialen Brasilien hatte es wenige Gründungen von Fakultäten unter der Kontrolle der portugiesischen Universität Coimbra gegeben. Mit der Vertreibung der Jesuiten, die auch dieses Einrichtungen im Wesentlichen getragen hatten, war diesen Ansätzen jedoch ein Ende bereitet worden. Im Kaiserreich wurden nach 1822 Hochschulen zur Ausbildung von Ärzten, Apothekern, Rechtsanwälten und Ingenieuren eingerichtet. Diese waren jedoch reine Lehrinstitute ohne eigene Forschung zu betreiben.

Erst 1920 wurde mit der Universidade do Rio de Janeiro die erste brasilianische Universität gegründet - sehr spät im Vergleich mit dem übrigen Lateinamerika, wo die Spanier schon ab Mitte des 16. Jahrhunderts Hochschulen gegründet hatten. Weitere Universitäten entstanden durch den Zusammenschluss bisher selbständiger Hochschulen. Nur an der 1934 gegründeten Universität São Paulo wurde unter europäischem, insbesondere französischem Einfluss ein systematisches Forschungssystem institutionalisiert. Die USP war zunächst die einzige Universität, an der man nach europäischem Muster promovieren konnte.

Die meisten Bundesuniversitäten wurden in den 1930er und 1940er Jahren errichtet, eine zweite Gründungswelle gab es in den 1960ern. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden viele neue Bundes- und Länderuniversitäten in den kleineren Bundesstaaten. Seit den 1970er Jahren wurden auch zahlreiche Privathochschulen zugelassen.

Die Hochschullandschaft

Universidade de São Paulo

In 150 Universitäten werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet. Führend ist noch immer die Universität São Paulo, gefolgt von der von Rio de Janeiro. Die Bundesuniversitäten genießen in der Regel ein höheres Ansehen, als Landesuniversitäten.

Gegen die Universitäten im wohlhabenden Südosten (z.B. Porto Alegre, Florianopolis, Belo Horizonte und Campinas) fallen diejenigen in den nördlichen Landesteilen deutlich ab. Die zahlreichen privaten Hochschulen haben trotz hoher Studiengebühren oft kein großes Renommée, da sie meist ganz auf die Lehre ausgerichtet sind, keine Forschung betreiben und ihre Professoren häufig verhältnismäßig geringe akademische Qualifikationen haben.

Auch um Studiengebühren zu sparen, versuchen die meisten Brasilianer an eine der kostenlosen öffentlichen Universitäten zu gelangen. Die Bewerberzahl für das Studium übersteigt meist bei weitem die Anzahl der vorhandenen Studienplätze. Bewerber bereiten sich deshalb nach dem Abitur oft mit sogenannten cursinhos auf die Aufnahmeprüfung (vestibular) vor, die von privaten Bildungseinrichtungen angeboten werden und dementsprechend kostenpflichtig sind.

Wegen des großen Konkurrenzkampfes um einen Studienplatz sind hier die Eingangstests an den staatlichen Hochschulen besonders schwierig, so dass die privaten Hochschulen den Ruf haben, weniger begabte, aber reiche Studenten aufzunehmen. Hohes Ansehen genießen unter den privaten Hochschulen allerdings die katholischen Pontifícias Universidades Católicas (PUC), die es in fast jeder größeren Stadt gibt.

Das Studiensystem

1968 wurde durch ein Hochschulrahmengesetz das Universitätssystem nach europäischem Vorbild zugunsten des amerikanischen abgeschafft. So wurden Credits eingeführt, Professuren im europäischen Sinn gibt es nicht mehr. Das Studiensystem ist in drei Stufen gegliedert: Die erste Stufe des Studiensystems ist das dreijährige Graduação, ein dreijähriges Bachelor-Studienprogramme, das zum akademischen Grad Bachelor führt.

Vor allem in Ingenieurwissenschaften gibt es auch vier- bis sechsjährige sogenannte Lizenziatsprogramme. Ein Medizinstudium dauert insgesamt sechs Jahre. Die zweite Studienstufe, dem Pos graduação, führt nach einem weiteren Jahr und einer Abschlussarbeit, für die die Studenten in der Regel bis zu zwei Jahre Zeit haben, bereits zu einem postgraduierten akademischen Abschluss, dem Mestrado (Magister). Nach dem erfolgreichen Abschluss der zweiten Studienstufe und einem weiteren Test kann man mit dem Doutorado promovieren.

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